260 Unternehmen haben sich bereits in der Region angesiedelt / Gastland der Buchmesse gilt als Zukunftsmarkt
Ganz im Zeichen Koreas werden Stadt Frankfurt und Region jetzt stehen: 200 Veranstaltungen begleiten den Auftritt als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2005 vom 19. bis 23. Oktober. Doch Korea ist aus Sicht der Kommune schon längst "ein Zukunftsmarkt von hoher Bedeutung".
Frankfurt · Mindestens zweimal im Jahr schickt Gunter Hampel, der Geschäftsführer der städtischen Tourismus und Congress GmbH in Frankfurt (TCF), seine Fachleute nach Südkorea. "Wir präsentieren dort Frankfurt, etwa in Vorträgen vor großen Unternehmen". Seine Perspektive: "Die Bindungen von Stadt und Region mit Korea sind bereits sehr gut, sie werden sich aber noch sehr verstärken."
Hampels jüngste Daten signalisieren rasantes Wachstum: Im ersten Halbjahr 2005 stieg die Zahl der Übernachtungen koreanischer Gäste in Frankfurt um 12,27 Prozent. Hatte es 2003 noch insgesamt rund 21 000 Übernachtungen gegeben, waren es 2004 schon 27 399. Nach den Zahlen der TCF besuchten 2003 genau 12 451 Koreaner die Stadt, 2004 kletterte die Zahl auf 15 620.
70 Prozent Geschäftsreisende
Die Gesellschaft hat gerade untersuchen lassen, welche Gäste Frankfurt aus Korea empfängt. "Zu 70 Prozent kommen Geschäftsreisende, 30 Prozent sind private Besucher".
Die Wirtschaftsförderer von der Frankfurt Rhein-Main GmbH sehen in Frankfurt mit dem größten Flughafen Kontinentaleuropas die logistische Drehscheibe Südkoreas. In der Stadt und in der Region haben sich, so Spezialist Bertram Roth, rund 260 koreanische Unternehmen angesiedelt, mehr als irgendwo sonst in Europa. Rund 6000 Koreaner, so TCF-Geschäftsführer Hampel, leben und arbeiten hier, davon die Hälfte in der Stadt. Schon 2002 kam die koreanische Europazentrale für Handel, die Korean Trade & Investment Promotion Agency, von Paris nach Frankfurt.
Der große Autohersteller Kia will bis 2006 seine Europazentrale in der Nähe der Frankfurter Messe bauen, der Autokonzern Hyundai lässt sich im nächsten Jahr in der Nachbarstadt Offenbach mit seinem europäischen Hauptsitz nieder. In beiden Fällen haben die Bauarbeiten bereits begonnen.
Die Frankfurter Messegesellschaft, die zweitgrößte der Welt, sieht in Südkorea "einen Wachstumsmarkt", so ein Sprecher. Seit 2001 gibt es eine Tochtergesellschaft der Frankfurter Messe in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Im Juli 2005 wurde von ihr bereits zum zweiten Mal in der Großstadt Pusan die "Corean Railways" veranstaltet, eine Spezialmesse für Eisenbahnen und Logistik. Vom 29. März bis zum 1. April 2006 ist in Seoul eine Premiere geplant: Eine besondere Schau für Nutzfahrzeuge.
Jenseits dieser wachsenden wirtschaftlichen Beziehungen setzt die Buchmesse 2005 vom 19. bis 23. Oktober jetzt einen herausragenden kulturellen Schwerpunkt. "Es ist die größte Präsentation koreanischer Kultur und Lebensart weltweit", sagt Buchmessen-Sprecher Holger Ehling. Zehn Millionen Euro investiert die Republik Südkorea in diesen Auftritt mit rund 200 Veranstaltungen.
Einbezogen in das Rahmenprogramm ist nicht nur die Stadt Frankfurt, auch die Nachbar-Kommunen Mainz und Darmstadt sind dabei. Die Palette reicht von Ausstellungen und Lesungen bis hin zu Opernaufführungen, Konzerten und Filmen. Allein 62 koreanische Autoren kommen nach Frankfurt und in die Region, darunter auch die beiden weltweit bekanntesten, Ko Un und Yi Munyol. Es gibt Lesungen unter anderem im Literaturhaus Frankfurt, im Museum für Angewandte Kunst, im Kunstverein, im Künstlerhaus Mousonturm, im Leinwandhaus, aber auch in der Kunsthalle in Darmstadt.
Die Arbeiten für einen dauerhaften Koreanischen Garten im Grüneburgpark sind in vollem Gange. Bereits am 15. und 16. Oktober, versammelt sich im Frankfurter Römer ein internationales Symposium zu "Demokratie, Wiedervereinigung und Frieden in Deutschland und Südkorea". Zu den Diskutierenden gehören der frühere südkoreanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Kim Dae Jung und der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher.