|
Politische Eiszeit - wirtschaftlicher Boom Politisch herrscht zwischen den beiden koreanischen Staaten Eiszeit. Das hindert den Süden nicht daran, an seinem Industriekomplex im Norden festzuhalten. 123 südkoreanische Firmen produzieren in Kaesong Kleider, Uhren und anderes. Die Löhne sind niedrig, die Gewinne hoch, der Alltag heikel.
Trucks aus Südkorea liefern weiterhin Güter nach Kaesong in Nordkorea. Täglich passieren zahlreiche Lastwagen die stark befestigte Grenze zwischen den beiden koreanischen Staaten. Politisch herrscht Eiszeit, weil sich Pjöngjang aus Sicht Südkoreas erst für den Beschuss eines Patrouillenbootes und einer kleinen Insel entschuldigen soll. Um das zu erreichen, hat der südkoreanische Präsident Lee Myung-bak alle Hilfslieferungen an den Norden eingestellt.
Die Kontakte sind auf ein Minimum beschränkt. Aber der Produktionsstandort Kaesong in Nordkorea nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt ist davon ausgenommen.
Gewinne dank niedriger Löhne
"Der Grund, warum die Regierung trotz der Sanktionen vom 24. Mai den Weg zum Industriekomplex Kaesong nicht versperrt hat, liegt darin, dass dieser nach wie vor eine wichtige Rolle spielt, um die innerkoreanischen Beziehungen durch die Entwicklung dieses Gebietes zu verbessern", betonte ein Abteilungsleiter im Vereinigungsministerium Südkoreas.
Ein anderer Grund ist, dass südkoreanische Firmen angesichts der niedrigen Löhne für nordkoreanische Arbeiter einfach gut verdienen. Der Industriekomplex wurde im Mai 2003 im Zuge der Sonnenscheinpolitik, die zu einer Annäherung der beiden koreanischen Staaten führte, beschlossen. 2004 wurde er dann eröffnet.
Mehr als 50.000 Beschäftigte
Das Support-Center für südkoreanische Firmen in Kaesong: 2004 wurde es eröffnet. Als größter Investor der zollfreien Zone stand Hyundai bereit. Die südkoreanische Firma hatte sich mit der Tourismusentwicklung in Nordkorea bereits für eine wirtschaftliche Annäherung der beiden Länder eingesetzt. Anfang Februar diesen Jahres überstieg die Zahl der nordkoreanischen Beschäftigten in Kaesong erstmals die 50.000er-Marke. Und das obwohl durch den Führungswechsel nach dem Tod von Kim Jong Il und der Machtübernahme seines Sohnes Kim Jong Un Unsicherheit herrscht. 123 südkoreanische Firmen stellen in Kaesong Kleider, Uhren oder Haushaltswaren her. 2011 erreichte die Produktion einen Rekordwert von rund 304 Millionen Euro.
Geringer Austausch ist vorhanden
Kritisiert wird, dass die Löhne nicht direkt an die Arbeiter sondern an das nordkoreanische Regime gezahlt werden. Auf diese Weise hat Pjöngjang über die Jahre rund 1,2 Milliarden Euro dringend benötigter Devisen erhalten. Auf der anderen Seite bietet Kaesong eine begrenzte Austausch-Möglichkeit zwischen den Menschen aus den beiden verfeindeten Staaten.
"Wir arbeiten jetzt seit fünf Jahren mit einem medizinischen Team aus Nordkorea zusammen. Auf diese Weise hat sich unsere Einrichtung großartig entwickelt", erklärte jüngst im südkoreanischen Fernsehen der Leiter des Krankenhauses in Kaesong. Nordkoreanische Arbeiter werden dort ebenso behandelt wie die südkoreanischen Vorarbeiter und Manager.
Keine politischen Äußerungen
Aber die Regeln im Umgang miteinander sind streng. Generell ist es Nordkoreanern verboten, den Industriekomplex Kaesong zu betreten, wenn sie dort nicht arbeiten. Jedes politische Gespräch oder jede unpassende Aussage von Südkoreanern wird von den nordkoreanischen Aufpassern mit der Ausweisung geahndet. Die südkoreanische Regierung will außerdem ein Strafpunktesystem einführen, um die Disziplin der rund 700 südkoreanischen Mitarbeiter zu verbessern. Die Zahl der Verkehrsunfälle und sexuellen Belästigungen soll so reduziert werden.
Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio
|