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Ölfund vor Brasilien Die neuen Scheichs vom Zuckerhut Die Entdeckung riesiger Ölreserven vor der Küste könnte Brasilien in die Riege der Ölförderländer heben. Für die Nutzung der Vorkommen sind jedoch hohe Investitionen und neue Fördertechnik notwendig.
In Brasilien herrscht Goldgräberstimmung. Seit Monaten macht das größte Land Lateinamerikas Schlagzeilen mit immer neuen, gigantischen Ölfunden. Jetzt wurden in einem Meeresgebiet zwischen Sao Paulo und Rio de Janeiro, gut 250 Kilometer vor der Atlantikküste, riesige Vorkommen entdeckt. Sie katapultierten das Land auf der Liste der Länder mit den größten Ölreserven von Platz 17 auf Platz elf. "Ein Grund, Stolz und Freude zu empfinden", kommentierte Präsident Lula da Silva den Fund. Er ist sich sicher: "Brasilien braucht so etwas." Brasilien wird zum Ölexporteur Bislang deckt Brasiliens Ölproduktion gerade den täglichen Eigenbedarf von ungefähr zwei Millionen Barrel. Mit den neuen Funden wächst die Ölreserve auf über 30 Milliarden Barrel. Experten vermuten, dass in den Hoheitsgewässern im Atlantik noch viel mehr des schwarzen Goldes schlummert. Bis zu 100 Milliarden Barrel könnten es sein. Damit wäre Brasilien auf gleicher Augenhöhe mit Kuwait und nur knapp hinter Iran. Brasilien würde sich von einem autarken mitteleren Ölförderungsland zu einem Ölexporteur wandeln, triumphiert auch Dilma Rousseff, Leiterin des brasilianischen Präsidialamtes. Viele Herausforderungen bei der Ölgewinnung Aber noch ist das Zukunftsmusik. Um den Ölsegen zu fördern, sind gewaltige Investitionen und neue Fördertechniken nötig. Denn in drei Kilometer Wassertiefe müssen die Ölbohrer zunächst eine gut zwei Kilometer dicke, extrem harte Salzschicht durchdringen. Darauf folgt etwa ein Kilometer Gestein. Experten schätzen die nötigen Investitionskosten allein für neue Fördertechniken auf bis zu 50 Milliarden Dollar. Irgendwann zwischen 2012 und 2014 könnte dann mit der Produktion begonnen werden. Am nötigen Geld fehlt es der staatlich kontrollierten Ölfirma Petrobras jedoch nicht. Bis 2012 will der Konzern 115 Milliarden Dollar aufwenden. Und Präsident Lula redet bereits von einem Beitritt zur OPEC: "Brasilien kann erst in die OPEC eintreten, wenn wir ein Exporteur sind. Aber natürlich wollen wir Mitglied in einem Gremium werden, in dem wir politische Entscheidungen für die ganze Welt mitbestimmen können."
Präsident Lula setz aufs Ölgeschäft Auch die Regierung will in das Ölgeschäft kräftig investieren. Für fünf Milliarden Dollar sollen 146 neue Schiffe und Plattformen gebaut werden. So würden 95.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Bleibt jedoch abzuwarten, ob sich die gewaltigen Investitionen aufgrund der komplizierten Förderbedingungen wirtschaftlich überhaupt rechnen. Durch den hohen Weltmarktpreis könnte der gegenüber den Kosten in der arabischen Welt wesentlich höhere Hochsee-Förderpreis aber kompensiert werden. Die neuen Scheichs vom Zuckerhut würden dann nicht nur in Geld schwimmen, sondern wären frei von jeglichen Energieproblemen. Schon heute gewinnt das Land 40 Prozent seines Energiebedarfs aus alternativen Energien. Und beim Biosprit ist Brasilien bereits Weltmarktführer.
Quelle: Von Gottfried Stein, ARD-Studio Buenos Aires.
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