|
Medwedjew empfängt Kim in Sibirien Kompromissbereit und konziliant - so gab sich der nordkoreanische Machthaber bei seinem Treffen mit Russlands Präsidenten Medwedjew. Er stimmte nicht nur zu, den Bau einer Gaspipeline durch Nord- und Südkorea zu prüfen. Auch hinsichtlich des Atomprogramms seines Landes signalisierte er Offenheit.
Nordkorea will die Gespräche über sein Atomprogramm ohne Vorbedingungen wieder aufnehmen. Nach Angaben einer Sprecherin des russischen Präsidenten Dimitri Medwedew erklärte Kim Jong Il sich bereit, Vorschläge zu einem Stopp der Produktion von nuklearem Material und von Atomtests vorzulegen.
Zwei, die sich verstanden: Staatschefs Kim und Medwedjew Schon vor Beginn des Treffens in der sibirischen Stadt Ulan-Ude hatten die USA die Hoffnung geäußert, dass es dem russischen Präsidenten gelingen werde, den nordkoreanischen Machthaber an den Verhandlungstisch zurück zu bringen. Russland, die USA, China, Japan und Südkorea wollen Nordkorea zum Verzicht auf eigene Atomwaffen bewegen.
Die entsprechenden Verhandlungen liegen seit zwei Jahren auf Eis. Nordkorea weigert sich bislang, dem Wunsch der internationalen Gemeinschaft zu entsprechen und ausländische Atom-Inspektoren ins Land zu lassen.
Die Akzente verschieben sich
Angereist war der nordkoreanische Machthaber in einem gepanzerten Sonderzug. Moskau unterhielt über Jahrzehnte enge Beziehungen zu Pjöngjang, allerdings orientierte sich Nordkorea nach dem Zerfall der Sowjetunion mehr in Richtung China. Experten bewerten den aktuellen Besuch Kim Jong Ils als Versuch, den chinesischen Einfluss zugunsten Russlands zurückzudrängen. Ein Schritt, der hier auf großes Interesse stößt, geht es doch für Russland um viel Geld.
Zum einen erhoffen sich die Russen langfristig eine Rückzahlung der elf Milliarden Dollar Schulden, die Nordkorea noch bei der ehemaligen Sowjetunion hat. Der stellvertretende russische Finanzminister machte deutlich, Pjöngjang müsse anerkennen, dass Russland der legitime Nachfolger der Sowjetunion sei.
Lukrative Pipeline
Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il bei seiner Ankunft in der sibirischen Stadt Ulan-Ude Außerdem erhofft sich Moskau umfangreiche Investitionen im Energiesektor. Russischen Experten zufolge benötigt Nordkorea dringend Energielieferungen, um seinen gerade aufgestellten 10-Jahresplan erfüllen zu können. So plant der russische Energiekonzern Gazprom den Bau einer Pipeline, die sowohl Nord- als auch Südkorea mit Gas versorgen soll. Die Lieferungen werden auf etwa 10 Milliarden Kubikmeter jährlich geschätzt.
Für den Transit nach Südkorea soll Pjöngjang jährlich Gebühren in Höhe von 100 Millionen US-Dollar erhalten. Eine gemeinsame Kommission soll nun die konkreten Bedingungen für ein solches Projekt erarbeiten.
von Heide Rasche, ARD-Hörfunkstudio Moskau
|